Wenn dein Tier zunimmt, passiert das fast nie über Nacht. Es sind ein paar Gramm pro Monat, ein Leckerli hier, eine großzügige Portion dort – und irgendwann ist aus „gut im Futter" ein echtes Gesundheitsrisiko geworden. Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu zwei Drittel aller Hunde und Katzen zu viel wiegen.

Der Rippen-Test: drei Handgriffe

Stell dein Tier ruhig hin und leg beide Handflächen flach seitlich an den Brustkorb. Streich mit sanftem Druck – etwa so viel, wie du für den Handrücken bräuchtest – über die Rippen. Bei Idealgewicht spürst du sie deutlich unter einer dünnen Fettschicht, ohne dass sie hervorstehen. Musst du kräftig drücken oder findest du sie gar nicht, ist das ein Warnsignal.

Dazu kommen zwei Blickproben: Von oben sollte hinter dem Brustkorb eine Taille erkennbar sein, von der Seite die Bauchlinie leicht nach oben ziehen statt durchzuhängen. Rippen, Taille und Bauchlinie sind genau die drei Punkte, die auch Tierärztinnen und Tierärzte beim sogenannten Body Condition Score (BCS) beurteilen – einer Skala von 1 bis 9, bei der 5 dem Idealgewicht entspricht. Faustregel aus der Fachliteratur: Jede Stufe darüber steht für rund 10 Prozent Übergewicht.

Warum die Zunahme so leicht übersehen wird

Du siehst dein Tier jeden Tag – und genau deshalb fällt dir die Veränderung nicht auf. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Halter nach Augenmaß füttern statt abzuwiegen, und Snacks meist gar nicht mitgerechnet werden. Auch nach einer Kastration ändert sich viel: Der Grundumsatz sinkt spürbar, während der Appetit steigt. Ältere Tiere bewegen sich weniger und brauchen entsprechend weniger Energie.

Hilfreich ist deshalb ein simples Ritual: einmal im Monat wiegen und den Wert notieren. Kleine Tiere nimmst du dazu auf den Arm und ziehst dein eigenes Gewicht ab. Zahlen auf einer Liste lügen nicht – dein Auge schon.

Erste Schritte und die Absprache mit der Praxis

Fang bei dem an, was du selbst steuerst: Futtermenge abwiegen statt schätzen, alle Leckerlis in die Tagesration einrechnen (Faustregel: höchstens 10 Prozent der Kalorien), kalorienarme Alternativen wie Möhrenstückchen nutzen und Bewegung behutsam steigern.

Eine Diät solltest du aber nicht allein planen. Lass Gewicht und BCS in der Tierarztpraxis bestimmen, ein realistisches Zielgewicht festlegen und die Rationsberechnung fachlich begleiten – zu schnelles Abnehmen ist besonders für Katzen gefährlich. Nur die Praxis kann außerdem abklären, ob hinter der Zunahme eine Erkrankung steckt. In extremen Fällen ist starkes Übergewicht tierschutzrelevant; zuständig sind die Veterinärämter, deren Vollzugspraxis sich je nach Bundesland unterscheiden kann.

Kern-Tipp

Rippen fühlbar, Taille sichtbar, Bauchlinie ansteigend – prüfe das einmal im Monat gemeinsam mit einem Blick auf die Waage. Was du früh bemerkst, lässt sich mit kleinen Anpassungen korrigieren; was du erst nach Jahren siehst, wird zur Therapie.

Quellen